Archiv für Juni 2009

Bieler Autobahngeschichte

Dienstag, 9. Juni 2009

Linienführung der „Expressstrasse* - N5 / A5

Bieler Tagblatt

Vorgehen und Alternativen

1958 verankerte das Schweizer Volk den Nationalstrassenbau in der Verfassung, und die Bundesversammlung definierte das Netz. Der Bieler Gemeinderat engagierte ETH-Professor Kurt Leibbrand. Dieser forderte eine „Express-Strasse“ (später N5, heute A5) als stadtdurchquerendes Stelzenwerk über der Schüss. Dies brachte die Stadt Biel in die internationalen Schlagzeilen. Das Projekt selbst ging als Variante A in die Geschichte ein und unter.

Im Jahre 1974 hat der bürgerlich dominierte Gemeinderat dem Kanton bekanntlich die Variante D zur Planauflage vorgeschlagen. Demzufolge wäre die vierspurige Autobahn im offenen Tagbau durch den Büttenberg und durch den Längholzwald gebaut worden. Die Empörung war gross.

Als erklärter Gegner in die Bieler Exekutive eingezogen, vereinbarte ich nach gründlichem Studium der N5-Problematik am 8. Mai 1978 mit Regierungsrat Erwin Schneider, dem damaligen kantonalen Baudirektor, einen ausgedehnten Variantenvergleich unter Einbezug des Seelandes nach den neuesten planerischen und wissenschaftlichen Prinzipien und ökologischen Erkenntnissen. Ein historischer Durchbruch in der chaotischen N5-Variantenplanung!

1983 war es dann so weit: Aus einem Strauss von geprüften Möglichkeiten, u. a. auch die „Seelandtangente“, mit unzähligen Verbesserungsstudien lagen vier Varianten zur Schlussbeurteilung vor.

1984 entschied der Gemeinderat auf Antrag meiner Baudirektion nach einer grossen Zahl vorangegangener Hearings und Vernehmlassungen, die Varianten D und JC zu eliminieren und empfahl dem Kanton bzw. dem Bund die Varianten JB und JD zur weiteren Detailüberarbeitung. Dabei lag die Präferenz eindeutig und klar bei der Variante JD, der eigentlichen Nordumfahrung. Hierzu gab es übrigens eine breit angelegte Ausstellung in der Aula des neuen Gymnasiums am Strandboden, wobei den N5-Gegnern sogar eine Gegenausstellung zugestanden wurde. Statt die Nordumfahrung detailliert und planerisch zur definitiven Entscheidung voranzutreiben, ging der Kanton, begünstigt durch die Pensionierung des souveränen Regierungsrates und kantonalen Baudirektors Erwin Schneider sowie nach dem Wechsel in der Bieler Baudirektion, wieder einen Schritt zurück und forcierte die eigentliche Südvariante D!

1988 war es wieder so weit: Die Bieler Behörden hatten zum zweiten Mal Stellung zu beziehen. Am 9. Dezember 1988 beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Südvariante D sei nun definitiv zu eliminieren und entschied sich zum zweiten Mal innert vier Jahren, dem Kanton und dem Bund die alleinige Weiterbearbeitung der Nordvariante JD zu empfehlen.

Die grosse Lüge

Der von der SP geführte Gemeinderat hatte mit seinem qualifizierten Planerstab hervorragende Arbeit geleistet, um die Lücke des Autobahnnetzes vom Bözingenfeld zum linken Seeufer zu schliessen. Es ist darum eine Ungehörigkeit, gegen besseres Wissen das Gegenteil zu behaupten. Der Kanton und der Bund haben der von uns favorisierten Nordvariante (mit einem Tunnel von Bözingen bis zum Seefels unter der Jurakette hindurch) nie sachliche Argumente entgegensetzen können. Die Nordvariante brächte eine echte Verkehrsentlastung, und sie hat sowohl in puncto Städtebau wie hinsichtlich Umweltverträglichkeit in allen Analysen besser abgeschnitten. Spätestens 1988 hätte der Bau der Nordumfahrung als Hauptast der A5 eingeleitet und abgeschlossen werden können.

Wer zahlt, befiehlt

Der Bund und der Kanton haben sich ohne Rücksicht auf die einstimmig gefassten Beschlüsse der Bieler Exekutive regionalpolitisch für die Südvariante entschieden (mit 2 Kilometern mehr Tunnelbau in wesentlich schlechterem Untergrund und mit bautechnischen Problemen aufgrund des Grundwasserspiegels). Dazu kommen die sich aufgebürdeten Probleme in Mett und dem Mühlefeldquartier!

Mett/Orpund und die A5

Stadtplaner und ETH-Ingenieur Werner Hüsler äusserte bei der Präsentation des Generellen Projekts der Südvariante: Das Jahrhundertprojekt könne man auch einfacher bauen, mit weniger Anschlüssen, dafür schneller, nach seiner Devise „less is more“ – weniger ist mehr. Das Quartier Mett beispielweise werde mit Sicherheit keinen grossen Nutzen von einem Autobahnanschluss haben. Im Gegenteil, jahrelange Baustellen, Eingriffe ins Quartier und eine unsichere Zukunft seien zu erwarten, und er fragte sich: Wird es noch das Wohnquartier bleiben?

„Hüst-und-Hott“ der städtischen Baudirektion 2009

Die Einwände des brillanten, leider allzu früh verstorbenen Werner Hüsler sind immer noch aktuell. Angesichts der fehlenden Prominenz in Mett glaubt die städtische Baudirektion, dass es ein Leichtes sei, einen fehlenden Anschluss im Westast durch einen im Ostast (Mett/Orpund) kompensieren zu können. Dementsprechend wurde vom Bieler Baudirektor im Grossen Rat ein parlamentarischer Vorstoss deponiert. Wie man sieht, dreht sich die Spirale nach 15 Jahren weiter. Die Bewohner in Mett sind angehalten, sich zu formieren. Denn wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.

Otto Arnold, a. Gemeinderat, Biel / ehemals Bau- und Fürsorgedirektor

Das stimmt so nicht!

Dienstag, 9. Juni 2009

Renovieren muss nicht teuer sein,

Verdichtung hat Priorität

Bieler Tagblatt, 8. September 2007

Auch aus denkmalpflegerischer Sicht wolle die Stadt die Sanierung alter Liegenschaften fördern, meinte Jürg Saager, Leiter Hochbau der Stadt Biel. Allerdings verfüge die Stadt über keinen Fonds, um Beiträge auszuschütten.

Diese Aussage stimmt so nicht! 1983 wurde vom Stadtrat die Denkmalpflege der Stadt Biel institutionalisiert und demzufolge der Benützerkreis des Altstadtsanierungsfonds „zur Erhaltung der städtebaulichen Substanz“ auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt.

Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass diese Finanzmittel heute nicht mehr zur Verfügung stehen sollen. Dies erstaunt mich umso mehr, als Millionen von Franken in einen gigantischen Verwaltungstrakt auf dem Gaswerkareal gesteckt werden sollen.

Nach meinem heutigen Wissensstand ist zudem nicht nachvollziehbar, warum der Stadtratssaal und damit die Stadtratssitzungen in den renovierten Burghäusern der Altstadt und die öffentliche Nutzung des historischen Kontrollgebäudes am Zentralplatz mir nichts dir nichts, ohne Bedenken, dem Zeitgeist geopfert werden sollen.

Ich bin dafür, dass man die früheren Beschlüsse in Sachen Sanierungsfonds respektiert und im Übrigen den Gigantismen Grenzen setzt.

Otto Arnold, alt Baudirektor und Gemeinderat, Biel

Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern

Dienstag, 9. Juni 2009


Grosse Visionen gegen sicheren Kompromiss

Bieler Tagblatt, 25. Februar.2009

Ein Venedig am Bielersee

Biel-Bienne, 25./26. Februar.2009

Meines Erachtens werden sich die Wasserkanäle mit der beabsichtigten Barkenhafenvergrösserung in Luft auflösen. Nach gültigem Recht ist das Ganze (praktisch) nicht umsetzbar. Was bleibt sind die “Luxuswohnklötze” mit einer gesamthaften Bruttogeschossfläche von gegen 100′000 Quadratmeter (Nidau plante mit einer Bruttogeschossfläche von 25′000 Quadratmeter), mit einigen Bäumchen und Bänken für die Blauäugigen. Und die Grünflächen des Bieler Strandbades um Fussball, Federball, Frisbee, Volleyball und Korbball spielen zu können, welche man für die Expo planiert hat, sind endgültig und unwiderruflich zubetoniert und überbaut! Denn diese sind im Bieler-Modell „AGGLO lac“ mit der „visionären Absicht“ zur Totalüberbauung freigegeben. Dies obwohl uns der Bieler Gemeinderat das Versprechen gab, das Bieler Strandbad und dazugehörende Umgebung so wieder herzustellen wie vor der Expo.

Alles Geschwätz von gestern!

Und in Biel wartet die Bevölkerung weiterhin auf die endliche Realisierung des kompletten Seeuferweges von Vingelz zum Bieler Strandboden.

Wundert sich noch jemand, dass bei Gemeindewahlen 70% nicht wählen gehen.

Marc Arnold, SP-Stadtrat, Biel + Präsident der SP Biel-Madretsch